Portfolio – Print (2014)

Die Aufnahmen von Street- und Menschenfotograf Oliver Weber zeigen Augenblicke und Begegnungen. Menschen dienen ihm dabei nicht als simples Motiv, sondern er lichtet ihre Persönlichkeit ab. Erfahren Sie, warum sich die abgebildeten Personen dem Fotografen öffnen und ihn ihr Leben in Bildern erzählen lassen.

Themenfindung:

Seine Veröffentlichungen in Zeit, Spiegel, El Pais und Merian lassen vermuten, dass Oliver Weber ein Profifotograf ist, aber das Gegenteil ist der Fall: Der Streetfotograf betrachtet sich selbst als „leidenschaftlichen Amateur“, und ist in der glücklichen Situation, dass er mit seinen Bildern nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. So kann er anders als Profifotografen seine Themen frei wählen und diese ohne Zeitdruck, seinem eigenem inneren Rhythmus folgend, umsetzen.

Die Fototour:

Der Tod eines jeden guten Bildes sind für Oliver Zeitdruck, Eile und mangelnde Ausdauer. So lässt er sich auf Fototouren auf der Straße gelassen treiben. Die Kamera hat er zwar dabei, aber das Bild steht zunächstnicht im Vordergrund, sondern mögliche Begegnungen und Stimmungen. Wichtig ist jedoch für ihn, dass er, hat er sich im Vorfeld für ein Thema entschieden, dieses strikt verfolgt, um am Ende eine in sich stimmige Geschichte zu erzählen.

Der Augenblick:

Auf einmal verdichten sich die Geschehnisse auf der Strasse um Oliver Weber herum zu einem einzigen Moment. Schafft der Streetfotograf es nun nicht, ihn sofort festzuhalten und ihm einen Ausdruck zu geben, der ihn zu etwas Besonderem macht, ist er für immer verloren. Schließlich soll die Fotografie nicht nur den abgebildeten Menschen zeigen, sondern das Foto dessen Persönlichkeit und Leben in seinem Umfeld widerspiegeln. Oliver Weber erläutert: „Dabei ist es wichtig, als Streetfotograf nie der Außenstehende zu sein, denn nur wer sich mit dem Leben des anderen annähernd identifiziert und dieses versucht mitzuempfinden, kann es abbilden und von einer neuen, ungewohnten Seite beleuchten. Die Streetfotografie lebt davon, die Alltagswelt zu erfassen und in einem neuen Blickwinkel zu zeigen. Das fordert viel Fleiß und Ausdauer, bringt aber auf der anderen Seite eine Menge Spaß – selbst für die Protagonisten, sofern eine “gutes Bild” entstanden ist. Die Fotografie wird so zu einer Sprache, die jeder in der Welt versteht“. Das erfordert viel Ruhe und Einfühlungsvermögen, eine Haltung die Oliver Weber als Arzt täglich gegenüber seinen Patienten aufbringt, und ihm beim Fotografieren zum Vorteil gereicht.
Aufnahmetechnik

Sein empathisches Vorgehen ist auch der Grund, warum Oliver Weber, so viel Zeit zum Fotografieren benötigt. Er möchte seinen Themen wirklich gerecht werden. Weber fotografiert überwiegend analog. Sein Vorgehen, mag altmodisch erscheinen, doch ist der Prozess vom Drücken des Auslösers bis zum Abziehen eines Bildes analog viel langwieriger, als digital. Oliver Weber urteilt: „So gewinne ich die nötige Distanz zu meinem aufgenommenen Fotomaterial und kann dieses objektiver bewerten.” Für gewisse Reportagen bedient er sich aber auch der digitalen Fototechnik, wie zum Beispiel für seine aktuelle Serie „Social Life at Beach”, in der er mit sozialkritischem, humoristischem Blick das Strandleben der Kanaren mit all seinen touristischen Klischees beleuchtet. “Hier geht es um eine Schnelllebigkeit, bei der die analoge Technik für mich eher am falschen Platz wäre”, urteilt Oliver Weber.

Bildausdruck:

Die Technik spielt innerhalb Oliver Webers Schaffen eine untergeordnete Rolle. Er möchte den Eindruck, der ihn vor Ort fasziniert, mit sich nehmen und ihn immer und immer wieder betrachten. Bildausschnitt und Bildaufbau wählt er dabei intuitiv, seinem Bauchgefühl folgend. Er erklärt: „Diese Faszination und Freude am Bild möchte ich mit anderen Menschen teilen. Nach dem Betrachten meiner Bilder, sollten diese im Gedächtnis bleiben. Erfüllen meine Aufnahmen diesen Zweck nicht, dann haben sie ihr Ziel verfehlt, ganz egal wie perfekt deren technische Umsetzung ist”.

Nachbearbeitung:

Die Nachbearbeitung seiner analogen Aufnahmen begrenzt sich auf das Entwickeln und Abziehen der Bilder in Schwarzweiß in seinem kleinen häuslichen Fotolabor. In Ausstellungen zeigt er seine analogen Werke im Format 30cm x 20cm. Anders handhabt er die Präsentation seiner digitalen Werke. Kürzlich hat die Galerie Lichtkreuzung in München, die Oliver Weber seit 2012 repräsentiert, seine digital entstandene Serie “Social Life at Beach” in einer beeindruckenden Größe von vier Metern Breite gezeigt.

Oliver Weber wurde 1970 in München geboren und lebt und arbeitet heute als Arzt auf Gomera. Im September 2013 ist sein Bildband Social Life at Beach (ISBN-10: 1492831808) erschienen. Dieser dokumentiert fotografisch das touristische Treiben auf den Kanaren. Eine Neuauflage des Bildbandes ist durch den Verlag Seltmann+Söhne im Frühjahr 2014 geplant.

Henriette Struss, COLORFOTO Redaktion